Wir treffen Antonio im Burgerladen ‘Lily Burger’ – wo die chaotischen Tags auf verschiedenfarbigen Wänden einen großartigen Hintergrund für unsere Fotos bilden. Allerdings ist der rothaarige Kolumbianer etwas enttäuscht als er nicht für uns posieren soll. Wir reden über Modefotografie, sein alter ego Juan und den Kleiderschrank seiner Frau.

Bogotá – Miami – New York – Berlin – die Aufzählung seiner Wohnorte klingt ziemlich cool. Was sie alle verbindet ist Antonios kreative Seele und seine Leidenschaft für Fotografie, Malerei und Mode. Obwohl er zwei Brüder hat, sei er zwischen Frauen aufgewachsen, sagt er. Seine Mutter, Tante, Schwestern und Cousinen waren modebegeistert. Während er in Bogotá viel Zeit mit Malen verbracht hat, fing er in Miami und New York an, Parties und Mode-Events zu fotografieren. Der 33-Jährige ist inzwischen glücklicher Berliner, wo er als freelancer Websites gestaltet und fotografiert, was ihm genug Zeit lässt für die Dinge, die er liebt: Illustrationen, Kunst und die nächtlichen Walks in Friedrichshain-Kreuzberg. Er lehrt vor allem Touristen Langzeitbelichtungen rund um die Warschauer Straße und das Schlesische Tor – regelmäßig endet die Tour beim berühmten ‘Bürgermeister’ in Kreuzberg.

Antonios beste Modeaufnahmen sind immer hinter den Kulissen aufgenommen – voller Zauber und nackter Mädchen. Oft kommt er über Umwege backstage – der Zufall und Vitamin B helfen dabei. “Es ist sehr einfach, ein gutes Foto von einem sexy Mädchen zu schießen”, sagt er “aber ich suche nach größeren Herausforderungen.” Also begann er, mit der LGTB community zu arbeiten – was seiner Arbeit in der oft oberflächlichen Modewelt Biss verleiht und sogar zu einem politischen Statement werden kann. “Ich mache das des Spaßes wegen, denn es gibt keinen Grund den Leuten vorzuschreiben, wie sie sich zu kleiden haben. Für mich bedeutet Stil vor allem, seine Persönlichkeit auszudrücken.” Seit er selbst aktiv in der Modebranche ist, achtet er mehr auf seine Kleidung – aber das Lieblingsstück wird wohl immer der Regenmantel seiner Frau bleiben – außen grün und innen rot. “Wir haben die gleiche Größe und ich liebe es, Ihre Sachen zu tragen!”

Sobald Miete und Nebenkosten bezahlt sind, widmet sich Antonio seiner Kunst. Seine letzte Ausstellung nannte er ‘Me, myself and I’ – und sie drehte sich um ihn, Antonio, und sein alter ego Juan. In der Arbeit spielt Antonio mit seinem Doppelnamen Juan Antonio und unterschiedlichen kulturellen Implikationen. Von seiner Mutter und der Familie Juan genannt, war der Name in den Staaten und in Deutschland für viele schwer auszusprechen. Für sie war er einfach Antonio. Um die beiden Charaktere baute Antonio von Comics inspirierte Fotos, in denen die zwei Aspekte seiner Persönlichkeit wie ein Zwillings-Bruderpaar agieren. Die nächste Ausstellung ist für Oktober geplant, diesmal über seine Fotos der LGBT Community.

Einzigartigkeit und Unvollkommenheit sind vielleicht die wichtigsten Attribute für Antonio wenn es um seine Fotografie geht. Er ist als Doppelbotschafter für Berlin und Bogotá sehr aktiv in der Lomographie-Community. Besonders gern benutzt er analoge Linsen für seine Digitalkamera um einen analogen Look zu imitieren. Und nichts geht über seine geliebte Petzval Kamera mit ihren besonderen Farben und dem verschwommenen Bildhintergrund. Und was plant der Individualist als nächstes? Eine Weile hat er gebraucht die im Gegensatz zu N.Y. grauen und dunklen Berliner Winter zu verstehen – das ist der erste Winter, den er für eine Flucht nach Bogotá nutzt.