Die Kinemathek am Potsdamer Platz stellt die Arbeiten Robby Müllers vor. Noch nie gehört von ihm? Aber gesehen hat sicher jeder schon einen Film des absoluten “Master of light” wie die Ausstellung ihn im Untertitel nennt. Anhand der Regiearbeiten der drei Großen Wim Wenders, Lars von Trier und Jim Jarmusch wird der kongenialen Beteiligung Robby Müllers im Speziellen und der Bedeutung eines Director of Photography/Kameramanns im Allgemeinen nachgegangen.

Ein Beitrag geteilt von ⚡️ (@crim3s69) am

Robby Müller, Jahrgang 1940, in einer niederländischen Kolonie in der Karibik geboren, und erst mit 14 Jahren in die Niederlande gekommen, entwickelte ein extrem gutes Auge für Lichtverhältnisse. Er wollte keine perfekt inszenierten Welten schaffen und kehrte Studiofilmen den Rücken – für jedes der filmischen Meisterwerke schuf er eine Lichtsprache, die Hand in Hand mit der Erzählung geht. Er hat daher keinen unverkennbaren Stil, sondern sah sich immer als Handwerker in einer dienenden Funktion – seine Bescheidenheit und das Understatement werden von allen Regisseuren daher als typisch Robby genannt. Lars von Trier beschreibt Robby’s Lichtempfindlichkeit auch im Privaten eingehend – jedes Hotelzimmer passte er seinen Lichtbedürfnissen an, indem er Lampen verschob und Fenstervorhänge veränderte.

Mit dem jungen Wim Wenders leitete Müller eine Wiedergeburt des Road Movies ein, die ihren Höhepunkt in ‘Paris Texas’ fand – mit den satten Farben und vor allem den Peep Show Szenen mit Nastassja Kinski, die heute noch eine Offenbarung sind, verschaffte Müller Wenders einen ewigen Platz auf dem Film Olymp. Für ‘American Friend’ war es Müllers Entscheidung, das grüne Neonlicht als Stilmittel beizubehalten anstatt, wie bis dahin üblich, es in der Postproduktion zu retuschieren.

Lars von Trier, bekannt für die Gruppe Dogma 95, die sich strengen Dogmen unterwarf, um der zunehmenden Künstlichkeit im Film zu trotzen, war ein großer Bewunderer Robby Müllers und gewann ihn unter anderem für ‘Breaking the Waves’. Er wollte, dass Müller die Handlung nicht kennt und am Drehort wie ein Dokumentarist arbeitete – ein grandioses filmisches Experiment, das Müller sicherlich an die Grenzen des Machbaren brachte.

Jim Jarmusch schließlich, der Müller liebevoll “a Dutch interior painter” nennt, war als junger Filmemacher schon relativ bekannt mit dem Werk Müllers und traf ihn, wie Wim Wenders es ihm erklärt hatte, tatsächlich auf dem Filmfest Rotterdam an der Erdnuss-Maschine in der Bar – aus Ehrfurcht entwickelte sich eine Zusammenarbeit, der wir unter anderem ‘Dead Man’, ‘Down by Law’ und ‘Mystery Train’ zu verdanken haben. Robby Müller ist sich immer treu geblieben. Als Jarmusch und sein Produktionsteam zu groß wurden, wendete er sich wieder independent Projekten zu.