Dieses Mal nehme ich euch mit auf einen ungewöhnlichen #awalkthrough Moskau. „Ungewöhnlich“ deshalb, da ich euch nicht die typischen Sehenswürdigkeiten zeige, sondern mein persönliches Moskau, wie ich es sehe und wahrnehme, wenn ich des Öfteren dort bin, denn meine fotografische Herangehensweise entspringt eher anthropologisch-ethnografischen Beobachtungen und der Dokumentation des Alltäglichen.

Moskau ist die Hauptstadt der Russischen Förderation, die größte Stadt des Landes und mit ca. 16 Mio. Einwohnern gehört sie zu den Megastädten der Welt. Sie entwickelt sich rapide zu einer hochtechnologisierten Stadt – man glaubt es kaum, aber sogar um einiges schneller und weitreichender als so manch andere europäische Stadt. Dies sei hier erwähnt, aber mein Rundgang zeigt euch eher das Moskau der normalen Leute – also keine teuren Autos, Goldschmuck oder den Saus und Braus der Oligarchen.

Von den Sperlingsbergen, einer natürlichen Erhebung im Westen Moskaus und zugleich eine riesige Parkanlage, hat man eine wunderbare Aussicht über die Weite der Stadt. Mit der Staatlichen Universität Moskau im Rücken genießt man diesen Ausblick auf das Olympiastadion Luschniki.

Die Architektur der Stadt ist so verschieden und interessant mit vielen unterschiedlichen Einflüssen der letzten Jahrhunderte, wie z.B. das Majakowski-Theater im Stile der Backsteinrenaissance. Es ist ein Sprachtheater, welches unter anderem Stücke von Leo Tolstoi aufführt.

Einen ähnlichen, aber doch etwas verspielteren, russischen Backsteinrenaissance-Baustil hat das Staatliche Historische Museum am Roten Platz. Es ist das größte Museum mit der Geschichte Russlands.

Ebenso gehören die vielen bunten russisch-orthodoxen Kirchen zum prägenden Stadtbild, denn trotz der Sowjetzeit ist die orthodoxe Religion tief in der russischen Kultur verwurzelt.

Oft befinden sie sich in unmittelbarer Nachbarschaft zu modernen Gebäuden, was den starken Kontrast im urbanen Stadtbild aufzeigt.

Breite, mehrspurige Straßen zeugen von der sowjetischen Stadtplanung. Doch in Zeiten der Planung gab es bei Weitem noch kein so hohes Aufkommen an Autos wie heute. Auch wenn hier gerade nicht zu sehen, ist diese Straße, wie so viele andere, von stundenlangem Stop-and-Go-Verkehr geprägt.

Ein typisches Transportmittel ist der „Trolleybus“ oder auch Oberleitungsbus. Solche existieren hauptsächlich nur noch in Mittelosteuropa und asiatischen Ländern, aber auch in Italien und der Schweiz. Dieses gibt es seit 1933 in Moskau und das Oberleitungsbussystem prägt das gesamte Straßenbild der Stadt, denn es ist das Längste der Welt.

Das Hauptverkehrsmittel der Moskauer ist aber die U-Bahn, die Metro. Interessanterweise fahren sogar alte, jedoch modernisierte, Berliner U-Bahn Wagen aus den 30er und 40er Jahren auf manchen Strecken.

Das Besondere an den Moskauer U-Bahn Stationen ist die Geräumigkeit und ein gewisser Prunk. So ist dort vor allem viel Marmor verbaut, aber auch einiges an Kunst zu finden. So z.B. diese etwas gruselig anmutenden Kinder-Skulpturen an der Rimskaya Metro Station.

Straßenmusiker gibt es natürlich auch. Jedoch anders als in den meisten westlichen Städten, sind dies hier oft ältere Menschen, welche nostalgische Lieder der Sowjetzeit spielen, um ein Einkommen zu haben, denn die Rente fällt für die meisten Menschen sehr gering aus.

Nicht nur die Straßenmusik hilft den Älteren, um ein wenig Geld zu verdienen. Auch verkaufen viele ältere Frauen selbst angebautes Obst, Gemüse, Kräuter und andere Dinge, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Hier wird gerne gehandelt und gequatscht.

Diejenigen unter euch, die nach Streetart suchen, werden nur an wenigen Orten der Stadt fündig, da dies weitestgehend illegal ist und nur für bestimmte Projekte Genehmigungen vergeben werden nachdem ein Gremium der Stadt den Entwurf abgesegnet hat. Also kein Streetart-Paradies wie viele andere Großstädte der Welt.

Eine interessante Sehenswürdigkeit ist der Ostankino-Fernsehturm im Norden der Stadt. Dieser ist das höchste Bauwerk Europas und der vierthöchste Fernsehturm der Welt. Oben befindet sich im Inneren ein Restaurant, in welchem einrichtungstechnisch die Zeit seit Erbauung stehengeblieben zu sein scheint.

Von dort oben aus hat man die Möglichkeit einen Blick auf die Peripherie der Stadt zu werfen, den typischen, so genannten „Schlafregionen“ mit den monströsen Plattenbaukomplexen, welche manchmal schon eine eigene Kleinstadt ausmachen könnten.

Hier wohnen die meisten der Moskauer und verbringen die Abende gemeinsam mit ihren Freunden, denn Freunde und Familie sind das Wichtigste in einer solch anonymen Megastadt.

Dies war mein etwas anderer Rundgang durch die russische Hauptstadt und ich hoffe es hat euch gefallen. Falls ich euch Moskau auf eine gewisse Weise schmackhaft gemacht habe, lasst es euch nicht nehmen diese mehr als interessante Stadt mal zu besuchen. Ich kann es nur empfehlen. Solltet ihr mehr Interesse an meiner dokumentarischen Fotografie haben, schaut doch einfach mal auf meinem Instagram-Profil @_baunovart_ vorbei.