Hertje Brodersen sammelt seit 2002 ausrangierte, sitzengelassene Stühle, die sie am Fundort fotografiert. Als @hypercatalecta hat sie irgendwann die #misplacedchairgallery ins Leben gerufen – ein erfolgreicher Hashtag mit tausenden Fans. Ein #pckphototalk mit @hypercatalecta.

Erinnerst du dich noch daran, wie deine #misplacedchairgallery entstanden ist?

Um 2008 herum wollte ich eine neue Wohnung als Ort auf Foursquare anlegen. In Anlehnung an meine Stuhlfoto-Ausstellung im Wohnungsflur – ich sammelte diese Fotos zu dem Zeitpunkt schon seit einigen Jahren – habe ich die Location “Misplaced Chair Gallery” genannt. Daraus habe ich ein paar Jahre später auf Instagram die #misplacedchairgallery gemacht.

Golden autumn. #misplacedchairgallery

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Bis heute gibt es 4524 posts für deinen # – warum, denkst du, ist #misplacedchairgallery so erfolgreich geworden?

Vielleicht wirkt es ansteckend, dass ich selbst so viel Spaß mit der #misplacedchairgallery habe, sowohl mit den Bildern als auch mit den Titeln. Aber abgesehen davon sind Stühle ein populäres Motiv und ich befinde mich in bester Gesellschaft von #thatsmyseatbro, #chairmuse, #chairswithstories und vielen anderen. Ich habe übrigens ein wenig mit mir gerungen, bevor ich das Hashtag auf Instagram eingesetzt habe – ich wusste ja, dass mein lieb gewonnenes Konzept dann nicht mehr mir allein gehört. Nach den ersten Posts habe ich es kurz bereut. Dann taggte mich jemand aus dem Urlaub in der Türkei weil er einen Stuhl fand und sich an die Misplaced Chair Gallery erinnerte. Ich dachte: wie toll ist das denn, da fährt jemand an einen Ort, an dem ich noch nie war und ich bin trotzdem irgendwie mit im Gepäck. Daher freut es mich sehr, dass die #misplacedchairgallery jetzt so gewachsen und vor allem auch international ist.

Out of her depth. #misplacedchairgallery Ein von Hertje Brodersen (@hypercatalecta) gepostetes Foto am

Hast du jemals eins deiner Foto-Objekte mit nach Hause genommen?

Nein, nie.

Dixiland. #misplacedchairgallery

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Gibt es etwas, das dich in Bezug auf einsame Stühle anzieht oder amüsiert?

Bruce Hannah, Professor für Industriedesign, hat es sehr schön formuliert: “Chairs … are kind of like placeholders for human beings. … Yet when the people sit in the chair it disappears. The person replaces the chair.” Wenn man einen ausgesetzten Stuhl auf der Straße sieht, ist der Mensch viel spürbarer abwesend als wenn man über eine Lampe oder einen Tisch stolpert. Das fasziniert mich.

‘Everyone carries a shadow.’ #misplacedchairgallery Ein von Hertje Brodersen (@hypercatalecta) gepostetes Foto am

Wo findest du die meisten Stühle und glaubst du, das ist eher ein Stadtphänomen?

Ich gehe viel zu Fuß und die Stühle sind fast immer Zufallsfunde auf dem Weg zur Arbeit, zum Einkaufen oder beim Joggen. In der Stadt stellt man einen ungewollten Stuhl ja einfach mal kurz vor die Tür und hofft, dass den jemand mitnimmt. Auf dem Land steht natürlich weniger rum.

Have a break. #misplacedchairgallery

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Jetzt würde ich gerne deine Meinung als Expertin wissen: Wenn du eine Arbeit über misplacedchairs schreiben würdest, was wäre die überraschendste Erkenntnis?

Fast alle Stühle verschwinden irgendwann von der Straße. Nur diese Gunde-Klappstühle von IKEA stehen immer ewig rum. Ein Produkt das niemand wegschmeißen und niemand geschenkt haben will. Da würde ich gern mal einen Konsumforscher dransetzen.

Heat stroke. #misplacedchairgallery Ein von Hertje Brodersen (@hypercatalecta) gepostetes Foto am

Was Hertje empfiehlt:

@hypercatalectas Stühle sind dieses Wochenende bei @pickmotion zu Gast

@hypercatalecta auf Instagram